Verein Deutscher Bibliothekare e. V.Regionalverband Südwest : "Von den europäischen Nachbarn lernen" (1) - Fortbildungsexkursion nach Basel am 22. Juni 2001 |
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"Von den europäischen Nachbarn lernen" (1) - Fortbildungsexkursion nach Basel am 22. Juni 2001
Als Ergänzung zu diesem Bericht gibt es einen Bilderbogen.
Zu der vom Vorstand angebotenen Fortbildungsexkursion nach Basel hatten sich 14 Kolleg(inn)en angemeldet, von denen
leider noch zwei kurzfristig absagen mussten, so dass letztlich 12 Teilnehmer(innen) übrigblieben. Diese brauchten
allerdings ihre - teilweise weite - Anreise an das Rheinknie nicht zu bereuen, denn der Besuch in der Öffentlichen
Bibliothek der Universität Basel, in der Bibliothek des Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrums (WWZ) mit dem
Schweizerischen Wirtschaftsarchiv (SWA) sowie in der Bibliothek der Allgemeinen Lesegesellschaft in Basel erwies sich
als außerordentlich informativ und eindrucksvoll.
Am Anfang stand die UB Basel, in der Schönbeinstraße nahe dem Spalentor gelegen. Genauer gesagt handelt es sich um
die Öffentliche Bibliothek der Universität Basel, d.h sie ist nicht allein der
Literatur- und Informationsversorgung der Basler Uni, sondern auch der Bevölkerung der Stadt und des Kantons Basel
gewidmet.
Wie der Direktor Hannes Hug darlegte, zählt die Universität zur Zeit etwa 8.000 Studierende und 1.050 Dozenten.
Finanziert wird sie vom Kanton Basel-Stadt, vom Kanton Basel-Landschaft, ferner vom Bund, vom Schweizerischen
Nationalfonds, von den übrigen Kantonen und aus eigenen Einnahmen. Die Bibliothek mit ihren zwei Filialbibliotheken
verfügt über 115 Stellen bei einem Budget von ca. 4,3 Mio. Schweizer Franken. Ihr Bestand beläuft sich auf ca. 3,2
Mio. Medien. Von zentraler Bedeutung für die UB Basel war die Einführung des EDV-Systems ALEPH, das in den
Bibliotheken des neuen "Informationsverbunds Deutschschweiz (IDS)" das auf Großrechnereinsatz beruhende
Vorgängersystem SIBIL (sowie auch das an der ETH Zürich eingesetzte System ETHICS) ersetzte und als ein geschlossenes
virtuelles Gesamtsystem für die Bibliotheken der Deutschschweiz anzusehen ist. Hinzu kommt, dass die Altbestände in
einem graphischen (Bild-)Katalog komplett elektronisch erfasst sind, obgleich dies ausdrücklich als eine
Übergangslösung bezeichnet wurde, solange die Bestände vor 1940 eben noch nicht im Onlinekatalog nachgewiesen
seien.
Die Leiterin des Informationszentrums DorotheaTrottenberg demonstrierte sodann die verschiedenen Funktionen und
Möglichkeiten von ALEPH aus Benutzersicht, beginnend beim "Online-Katalog des Informationsverbunds IDS Basel
Bern", wie die genaue Bezeichnung lautet, bis hin zu dem Autoren- und Titelkatalog des Zeitraums vor 1939.
Detailliert zeigte sie die Auswahlmöglichkeiten der mit farbigen Frames differenzierten IDS-Verbundkataloge, die Such-
und die Filtermöglichkeiten, die Bestandsangaben, die Bestandsabfrage und die Bestellmöglichkeiten, einschließlich der
Rubrik "Persönliche Daten", unter der die Benutzerdaten, einschließlich der Emailadressen, zu finden sind.
Der Zugang ist natürlich passwortgeschützt.
Über die "Virtuelle Bibliothek" der UB Basel orientierte sodann Christoph Ballmer, Fachreferent und
Referent für Öffentlichkeitsarbeit. Geboten werden in übersichtlichem Fächeralphabet fachliche Einstiege, die dann
jeweils unter dem Fach das Angebot an elektronischen Zeitschriften, an Online-Datenbanken, an Bibliothekskatalogen, an
CD-ROM-Datenbanken sowie weitere fachspezifische Links enthalten. Auch aktuelle Informationen sind jeweils unter dem
Fach einsehbar.
Im Anschluss an diese hochinteressanten Ausführungen bestand die Gelegenheit, je nach Interessenlage sich noch
detaillierter über ALEPH informieren zu lassen oder mit Herrn Hug über das Fachreferatssystem der UB Basel zu
sprechen, das von 20 Mitarbeiter(inne)n getragen wird und stark geprägt ist durch Teilzeitarbeit, d.h. außer der
eigentlichen Fachreferatsarbeit nehmen die Kolleg(inn)en in Basel noch andere, teilweise auch externe Aufgaben wahr.
Für jeden Bereich wird ein gesonderter Arbeitsvertrag abgeschlossen. Die Anteile der verschiedenen Tätigkeiten sind
transparent. Erstaunen löste die Tatsache aus, dass die Fachreferenten nicht nur innerhalb einer Bibliothek, sondern
auch zwischen vergleichbaren Bibliotheken in der Schweiz unterschiedlich bezahlt werden.
Nach dem Mittagessen in der Cafeteria der UB Basel ging die Gruppe zu Fuß zum nahegelegenen Wirtschaftswissenschaftliche Zentrum (WWZ) der Universität, dem auch das
Schweizerische Wirtschaftsarchiv (SWA) amgegliedert ist. Die Leiterin dieser Einrichtungen Johanna Gisler präsentierte
einerseits die baulich sehr ansprechende WWZ-Bibliothek, die als wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Abteilung
der UB eine Freihandbibliothek von etwa 30.000 Bänden (Erscheinungsjahr nicht älter als 10 Jahre) und ein modernes
elektronisches Informationszentrum mit zahlreichen Datensammlungen darstellt, andererseits das SWA, das neben der
Archiv- auch eine Dokumentationsfunktion innehat. Nicht weniger als etwa 18.000 Firmendossiers sind hier einsehbar und
werden auf neuestem Stand gehalten. Der abschließende Gang auf die Dachterrasse mit dem herrlichen Rundblick über die
Basler Altstadt bis hin zum Münster tat ein Übriges, um den ausgezeichneten Eindruck, den das WWZ/SWA hinterließ, noch
zu steigern.
Wiederum zu Fuß ging es schließlich durch die engen Gassen der Altstadt hinauf zum Münsterberg, wo sich das
historische Gebäude - 1528 fertiggestellt und ehemals Stiftshaus der Kanoniker - der im 18. Jahrhundert gegründeten
"Allgemeinen Lesegesellschaft Basel" mit der Bibliothek befindet. Es handelt sich bei diesem Ensemble aus
neogotischem Gebäude, Bibliotheksräumen und Bíbliotheksbestand um ein Gesamtkunstwerk, das man gesehen haben muss,
weil es sich mit Wortem kaum angemessen umschreiben lässt. Frau Marczo, die Bibliothekarin, erläuterte anschaulich die
Geschichte der Lesegesellschaft und stellte die Bibliothek mit ihren schönen Buchbeständen aus dem 18., 19. und 20.
Jahrhundert vor. Die aktuelle Buchauswahl wird durch eine Kommission vorgenommen und erstreckt sich auf anspruchsvolle
literarische Werke sowie auf gute Sachbücher. Ein nicht minder sorgfältig ausgewähltes Sortiment von Zeitschriften und
Zeitungen steht den Mitgliedern der Lesegesellschaft ebenfalls zur Verfügung. Die Lektüre vor Ort kann in dem opulent
ausgestatteten großen Lesesaal mit seinen zahlreichen originalen Sitzgruppen (Sofas, Sessel, Stühle, Tische) in
unvergleichlicher Atmosphäre zum Vergnügen werden. Staunend und fast schweigend ließ unsere Gruppe diese Räume und das
Ambiente der Bibliothek auf sich einwirken - Fragen gab es fast keine. Eine allerdings blieb im Raum zurück: Soll man
hier wirklich die EDV einführen ...? Darf man das überhaupt...?
So endete die Fortbildungsexkursion nach Basel mit dem eindrucksvollen Besuch bei der Allgemeinen Lesegesellschaft
und anschließend bei einem Kaffee unter den schattigen Bäumen des Gartencafés auf dem Münsterberg. Der herzliche Dank
aller an unsere aufmerksamen und engagierten Basler Gastgeber(innen) war nur zu berechtigt.
Wilfried Sühl-Strohmenger
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