Home

Autor: Anke Berghaus-Sprengel

Dr. Ewald Brahms

Am 25. Mai 2026 verstarb plötzlich und völlig unerwartet unser langjähriger Kollege und Freund Dr. Ewald Brahms, nur wenige Monate vor seinem geplanten Eintritt in den Ruhestand. Ewald Brahms war langjährig im VDB – Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare aktiv und leitete seit 2006 die Universitätsbibliothek Hildesheim.

Die Mitglieder des Vorstands des VDB – Vereins deutscher Bibliothekare und Bibliothekarinnen sind tief betroffen, traurig und voller Erinnerungen an die gemeinsame Arbeit, an die Diskussionsabende im Kreise der Kolleginnen und Kollegen, auch im Rahmen der vielen gemeinsamen Veranstaltungen mit den Vorstandsmitgliedern der DACHS-Verbände. Ewald Brahms engagierte sich ab 2007 im damals neu gegründeten Regionalverband Nordwest zunächst als stellvertretender, dann auch als Vorsitzender. 2011 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des VDB gewählt, ein Amt das er bis 2015 innehatte, bevor er als Vorstandsmitglied des VDB die Verantwortung für die für internationalen Kontakte übernahm. In dieser Funktion organisierte er beispielsweise die Online-Vortragsreihe „Digitale Transformation und Openness in deutschen und britischen wissenschaftlichen Bibliotheken“ gemeinsam mit der British Library und RLUK und war an der Konzeption der Tagungsreihe der deutschsprachigen Verbände (DACHS) beteiligt.

Ewald Brahms war ein zentraler Akteur bei Bibliothek & Information International (BII), der Kommission von Bibliothek und Information Deutschland (BID) für internationale Zusammenarbeit. Ab dem 1. April 2016 übernahm er das Amt des Sprechers von BII. Als VDB-Delegierter bei BII unterstützte er den internationalen Fachaustausch durch Stipendienprogramme für deutsche und ausländische Kolleginnen und Kollegen und wirkte am BID-Partnerland-Programm mit.

Auch über den VDB hinaus war Ewald Brahms ein besonders aktiver Kollege, der es verstand Netzwerke aufzubauen und Strategien voranzutreiben. Seine beruflichen Stationen führten ihn vom damaligen Bibliotheksreferat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über das Niedersächsische Wissenschaftsministerium an die Leitung der Universitätsbibliothek Hildesheim. Im Gemeinsamen Bibliotheksverbund GBV hatte Ewald Brahms über mehr als zwei Jahrzehnte in zentralen Führungspositionen mitgewirkt, u.a. als Vorsitzender wie als stellvertretender Vorsitzender der Verbundleitung. Auf der Ebene des Landes Niedersachsen wirkte er von 2012 bis Ende 2014 als Vorsitzender des Niedersächsischen Beirats für Bibliotheksangelegenheiten des MWK, in dem die Leitungen aller niedersächsischen Universitäts-, Hochschul- und Landesbibliotheken vertreten sind.

Ewald Brahms bleibt uns in Erinnerung als zuverlässiger, integrer, freundlicher und zugewandter Kollege. Wir vermissen ihn als sachlichen Berater und als eine Person, mit der man heikle Themen vertrauensvoll besprechen konnte. Er konnte uns gemeinsam für neue Themen begeistern, aber auch energisch und klar Position beziehen. Seine Offenheit, sein Humor und seine Zugewandtheit verbanden uns nicht nur kollegial mit ihm, sondern ließen auch tiefe persönliche Freundschaften entstehen. Sein überraschender Tod reißt eine schmerzliche Lücke, wir werden ihn in bleibender Erinnerung halten.

Stellungnahme des VDB zum Entwurf des KRITIS Dachgesetzes

Der Verein deutscher Bibliothekarinnen und Bibliotheken nimmt mit Sorge zur Kenntnis, dass der Sektor Kultur und Medien zwar unverändert als Sektor der kritischen Infrastruktur anerkannt wird, jedoch nicht Gegenstand des vom Deutschen Bundestag am 29. Januar 2026 angenommenen Entwurfs des KRITIS-Dachgesetzes ist.

Die Verankerung der bibliothekarischen Versorgung als Bestandteil der kritischen Infrastruktur erachtet der VDB als dringend zu realisierendes Desiderat.

Es greift dabei zu kurz, Bibliotheken auf eine identitätsstiftende Funktion von Kultur und/oder einen Ort an dem Meinungsbildung durch Zugang zu freier Presse erfolgen kann zu reduzieren.

Die mögliche Vernichtung von Kulturdenkmalen und Kulturgütern trifft Gesellschaften in ihrem Kern, reduziert Stabilität und fördert Fragilität, weil grundlegende, identitäts- wie konsensstiftende Bezugspunkte wegfallen. Dass dies keine Leerformel ist, zeigt der Ukrainekrieg und die zahlreichen zerstörten oder beschädigten Kulturstätten.

Möglichkeiten des Zugangs zu unzensierten Informationen kennzeichnen moderne Demokratien und sind Grundlage des politischen Handelns.

Bibliotheken bieten darüber hinaus Zugang zu wissenschaftlicher Information und ermöglichen damit die Aneignung aktuellen Wissens und aktueller Forschungsstände. Dies ist notwendig, um in Krisensituationen fundierte Lösungen finden, erarbeiten und weiter entwickeln zu können. Datenbanken, Journals und Medien aller Art werden auch und gerade in Krisenfällen gebraucht, um Lösungsstrategien für diverse Problemlagen und Sachverhalte erarbeiten zu können, um kooperative Entwicklung von Maßnahmen valide anzustoßen und um gute Lösungsansätze in machbare Strategien zu übersetzen.

Die Gesamtversorgung mit Zugang zu unabhängigen Wissensquellen wird durch das in Deutschland bestehende flächendeckende Netz an in Verbünden organisierten, kooperativ agierenden ca. 7.000 Bibliotheken an rund 8.800 Standorten gewährleistet. Diese sind damit unbedingt als Bestandteil der kritischen Infrastruktur der Bundesrepublik Deutschland anzuerkennen.

In ihren Räumlichkeiten und den dazugehörigen Rechenzentren speichern die deutschen Bibliotheken ca. 370 Millionen Medieneinheiten, stellen sie zur Nutzung zur Verfügung und sichern ihre Benutzbarkeit in analoger wie digitaler Form heute und in Zukunft.

Hier betreiben die Bibliotheken, zusammen mit Archiven, Museen und anderen Kultureinrichtungen Notfallverbünde und haben somit Erfahrung mit der Erstellung von Risikobewertungen, Vorsorgeplänen und Schutzkonzepten. Eine Stärkung dieser Einrichtungen ist eine Möglichkeit, die Resilienz und Transparenz auszubauen.

02. Februar 2026

DACHS-Anmeldung Online

Die Verbände Bibliosuisse, Bibliotheksverband Südtirol (BVS), VDB – Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare und VÖB (Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare) laden herzlich zur 3. DACHS-Tagung vom 26. bis 27.2.2026 an der Universitätsbibliothek Graz (UB Graz) ein. Die Website mit Anmeldemöglichkeit ist jetzt online: https://ub.uni-graz.at/de/beratung-kurse/kurse-veranstaltungen/veranstaltungen/moving-libraries/

Unter dem Titel „Moving Libraries – Transformationen und Potenziale“ wird im Rahmen der länderübergreifenden Tagung der beschleunigte Wandel in Bibliotheken und Infrastruktureinrichtungen aufgezeigt und es werden exemplarisch Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen vorgestellt. Der Fokus liegt 2026 auf Themen rund um veränderte Bedarfe im Serviceportfolio sowie den daraus resultierenden Konsequenzen im Bereich Personal- und Berufsbildentwicklung.

Die Tagung richtet sich an Informationsspezialist:innen und Bibliothekar:innen, die in Leitungsverantwortung, auf Abteilungs- oder Teamleitungsebene mit Organisationsentwicklung befasst sind. Sie spricht auch alle an, die sich mit Fragen der Weiterentwicklung von Bibliotheken und Informationsinfrastrukturen beschäftigen.

Ziel der Tagung ist es, die Zusammenarbeit zwischen Informationsspezialist:innen und Bibliothekar:innen in den deutschsprachigen Ländern zu fördern und grenzüberschreitende Mobilität zu stärken. Die Tagung in Graz knüpft an die Tradition der gemeinsamen DACHS-Tagungen 2019 in München und 2024 in St. Gallen an.

BiblioCon 2026 Call for papers

Die 114. BiblioCon „Analog trifft Algorithmus“ wird vom 19.-22.05.2026 im ESTREL Berlin stattfinden. Vorträge können ab sofort bis zum 30.11.2025 eingereicht werden. Als Veranstaltende rufen wir Sie, unsere Kolleg:innen als Expert:innen aus wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken, Informationseinrichtungen sowie Vertreter:innen einschlägiger Verbände dazu auf, Vorschläge für Vorträge, Labs und Podiumsdiskussionen zu den vielfältigen Themenkreisen einzureichen.

Stellungnahme der deutschen Bibliotheksverbände zur Entlassung der renommierten Direktorin der Library of Congress, Dr. Carla Hayden

Am 09. Mai 2025 ist Dr. Carla Hayden, Direktorin der Library of Congress, von US-Präsident Donald Trump entlassen worden. Grund dafür seien vermeintlich „unangemessene Bücher“ in der Kongressbibliothek sowie Haydens Engagement für Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI). Zuvor hatte die konservative Stiftung American Accountability Foundation Haydens Kündigung gefordert.

Die deutschen Bibliotheksverbände, Bibliothek & Information Deutschland (BID) und seine Mitgliedsverbände der Berufsverband Information Bibliothek (BIB), der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) sowie der Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare e.V. (VDB), verurteilen die Kündigung von Carla Hayden auf schärfste.

Dazu Dr. Sabine Homilius, Präsidentin von BID: „Diese Kündigung ist ein direkter Angriff auf die Unabhängigkeit der Kongressbibliothek und der Fachlichkeit bibliothekarischer Arbeit. Bibliotheken haben eine zentrale Funktion für den freien Zugang zu Informationen und Medien und für die Teilhabe an gesellschaftlichen Willensbildungsprozessen. Damit sind sie zentrale Einrichtungen funktionierender Demokratien. Der Angriff auf Personen und Infrastrukturen des Bibliothekswesens ist ein Angriff auf die Demokratien selbst. Unsere Solidarität und Unterstützung gilt den US-amerikanischen Bibliotheken und Verbänden.“

Die deutschen Bibliotheksverbände beobachten mit großer Sorge, wie unter der aktuellen US-Regierung Personen und Institutionen des Bibliothekswesens angegriffen und entlassen sowie Institutionen des Bibliothekswesens unter Druck gesetzt werden. Nach der Kündigung von Hayden wurde am 10. Mai auch Shira Perlmutter, Leiterin des Copyright Office, eine Abteilung der Library of Congress, entlassen.

Bereits im März 2025 hatte der US-Präsident eine Durchführungsverordnung zur Schließung des amerikanischen Institute of Museum and Library Services (IMLS) unterschrieben. Das IMLS ist eine unabhängige Bundesbehörde, die Bibliotheken, Archive und Museen aller Art in allen US-Bundesstaaten u. a. mit Fördermitteln unterstützt.

Die American Library Association (ALA) setzt sich aktiv für die unabhängige Arbeit der Bibliotheken in den USA ein. Zu der Entlassung von Hayden hatte die ALA ein Statement veröffentlicht.