VDB - Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare

Mitteilungsblatt Nr. 9 (1996) des VDB-Landesverbandes Baden-Württemberg

Bericht über die Herbstsitzung des Vereinsausschusses

Am 14. und 15. November 1996 trafen sich die Mitglieder des Vereinsausschusses in der Universitätsbibliothek Würzburg zu ihrer diesjährigen Herbstsitzung. Die Tagesordnung war wie immer sehr umfangreich. Einige wichtige Themen sollen im folgenden genannt werden.

Breiten Raum nahm die Diskussion der Frage ein, ob sich der VDB für die Absolventen anderer Ausbildungsgänge im Rahmen des wissenschaftlichen Bibliothekswesens öffnen und damit mit den übrigen Personalvereinen gleichziehen solle, die schon längst die Beitrittsvoraussetzungen nicht mehr an die jeweilige Laufbahn koppeln. Nach eingehender Prüfung aller Gesichtspunkte entschied sich jedoch die Mehrheit der Anwesenden dafür, die Satzung an dieser Stelle nicht zu ändern.

Die Kommissionen sind ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit; ihre wertvolle Tätigkeit kommt den Mitgliedern ebenso zugute wie der Vereinsführung. Wie sich die Kommissionen enger in die gesamte Vereinsarbeit einbeziehen lassen und wie sie die eigene Öffentlichkeitsarbeit gegenüber der Mitgliedschaft verbessern können, war ebenfalls Gegenstand der Vereinsausschusssitzung. Man kam überein, die Kommissionsvorsitzenden, wie bereits in Würzburg geschehen, künftig zu den Sitzungen des Vereinsausschusses einzuladen und ihrer Berichterstattung auf den Bibliothekartagen einen prominenteren Platz einzuräumen.

Der Bibliothekskongress 1997 findet verabredungsgemäß in Dortmund statt. Im Jahre 2000 möchte der VDB an den Ort seiner Gründung, nach Marburg, zurückkehren und hofft, dass dieser Wunsch von den übrigen Verbänden respektiert bzw. akzeptiert wird. Allerdings ist noch zu prüfen, ob Marburg die Kapazität für eine Großveranstaltung aufbringen kann. Auch Leipzig wäre ein attraktiver Tagungsort. Da immer mehr Universitäten auf die vorlesungsfreien Pfingstferien verzichten, wird es immer schwieriger, am traditionellen Pfingsttermin für den Bibliothekartag festzuhalten. Der Bibliothekartag 1998 in Frankfurt/M. wird aber noch wie gewohnt in der Woche nach Pfingsten stattfinden.

Den Mitgliedern wird es nicht verborgen geblieben sein, dass der VDB in jüngster Zeit Anstrengungen unternommen hat, sein Erscheinungsbild in der (bibliothekarischen) Öffentlichkeit modern und ansprechend zu gestalten. Weitere Schritte einer wirkungsvollen Präsentation wurden beraten, u.a. der Eintrag des Vereins im Internet. Zu den Werbemaßnahmen zählt auch ein Besuch des Vorstands in Sachsen, der sowohl der Mitgliederwerbung als auch dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch und der Stärkung der Landesverbandsarbeit diente.

Desweiteren befasste sich der Vereinsausschuss mit den Publikationen des VDB, mit der BDB und ihrer Satzung, dem Themenkomplex "Fortbildung für Fachreferenten" sowie dem im Jahre 2000 anstehenden hundertjährigen Vereinsjubiläum.

L.S.

Referendarausbildung

Nach mehreren Vorentwürfen liegt nun der endgültige Text des "Leitfadens für die praktische Ausbildung des höheren Bibliotheksdienstes" vor. Er findet sich in Heft 6 (1996) der Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Er ist für die Ausbildungsleiter in den Bibliotheken vor Ort ebenso bestimmt wie für die Referendare, "die anhand des Leitfadens Defizite im Ausbildungsablauf erkennen und auf deren Abhilfe dringen sollen." Der von der VDB-Kommission für Ausbildungsfragen initiierte Leitfaden ist das Ergebnis einer breiten und mehrjährigen Diskussion, an der sich unter Federführung der Bibliotheksschule in Frankfurt/M. die für die Ausbildung Verantwortlichen und mehrere Referendarjahrgänge beteiligt haben.

Fortbildung

Als Pilotprojekt verstand das Innenministerium von Baden-Württemberg eine auf Wunsch des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst organisierte "bedarfsorientierte" Fortbildungsveranstaltung. Bedarfsorientiert heißt: eine bestimmte Zielgruppe soll "so optimal wie möglich auf Anforderungen aus ihrem Arbeitsbereich vorbereitet werden."

Vom 4. bis 6. Dezember 1996 nahmen 16 Kolleginnen und Kollegen aus den staatlichen Archiven und den beiden Landesbibliotheken ("Führungskräfte") an dem Seminar "Verwaltungsmodernisierung durch effektive Personalführung" in Neresheim-Ohmenheim teil. Themen wie Leitbildentwicklung, Führungskultur, Selbstführung, Information und Kommunikation, Personalgespräch usw. wurden in Form von Diskussionen, Arbeitsgruppen und Rollenspielen erarbeitet. Die Ausführungen der Referentin versuchten zwar die besonderen Verhältnisse im Öffentlichen Dienst zu berücksichtigen; die spezifischen Probleme in den Archiven und Bibliotheken mussten aber die Teilnehmer beisteuern.

Summa summarum ein erfolgreiches Seminar. Das Angebot des Innenministeriums, weiteren Fortbildungsbedarf anzumelden, sollte deshalb in den Bibliotheken nicht ungehört verhallen.

Stellraumempfehlungen

Platzprobleme kennt jede Bibliothek. Selbst der 1991 eröffnete Neubau der Badischen Landesbibliothek wird noch vor der Jahrhundertwende keinen Platz für neue Bücher mehr haben. Die knapper werdenden Mittel der öffentlichen Haushalte lassen nur noch begrenzt die Erweiterung vorhandener Büchermagazine zu. Vor diesem Hintergrund beauftragte das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst eine kleine Arbeitsgruppe unter Federführung von Dr. Rüdiger Schmidt (BLB Karlsruhe) mit der Erarbeitung von "Empfehlungen zur Stellraumplanung in den wissenschaftlichen Bibliotheken Baden-Württembergs". Weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe für Stellraumplanung waren die Kollegen Allweiss (UB Konstanz), Dr. Finke (WLB Stuttgart) und Dr. Stutte (UB Tübingen). Die Empfehlungen wurden bei der Dienstbesprechung des Ministeriums mit den Leitern der wissenschaftlichen Bibliotheken am 13. November 1996 akzeptiert. Eine neue Arbeitsgruppe soll nun die Umsetzungsmöglichkeiten des empfohlenen Konzepts zur dezentralen Langzeitspeicherung von Literatur in Baden-Württemberg genauer prüfen.

Kern des neuen Speicherkonzepts ist die Aussonderung von Beständen, "für die zur Zeit kein Forschungsansatz bzw. Interesse besteht"; sie erstreckt sich auf Zeitschriften und auf Monographien (Zugang ab 1970). Den Bibliotheken werden bestimmte Fächer zugewiesen, deren Bestände auf Dauer zu erhalten sind. Das Konzept der fachlich strukturierten dezentralen Speicherlösung wird ergänzt durch das Prinzip des letzten Exemplars, das in der Region zu erhalten ist.

Retrospektive und in Zukunft auch prospektive Aussonderungen stellen die Bibliotheken vor neue Aufgaben. Das Spektrum der Fachreferatstätigkeiten scheint also künftig um den Aspekt Bestandsabbau erweitert zu werden.

Mitgliederversammlung 1997 in Karlsruhe

Die nächste Mitgliederversammlung des VDB-Landesverbandes Baden-Württemberg wird am 11. April 1997 in Karlsruhe stattfinden und von der Badischen Landesbibliothek in Verbindung mit der Universitätsbibliothek organisiert. Alle Mitglieder sind eingeladen, Themenvorschläge für diese Veranstaltung dem Vorsitzenden einzureichen.