VDB - Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare

Mitteilungsblatt Nr. 11 (1998) des VDB-Landesverbandes Baden-Württemberg

In guter Tradition erscheint auch zum Ende dieses Jahres wieder eine Nummer des Mitteilungsblattes - in etwas verändertem Gewand, das hoffentlich Anklang finden wird.

Zwar hat sich - dank des Solidarpaktes zwischen der Landesregierung und den Universitäten - die Etatsituation 1998 zumindestens nicht weiter verschlechtert, jedoch bereitet der mit der Vereinbarung einhergehende Stellenabbau auch den Hochschulbibliotheken keine geringen Sorgen. Das Ende der Fahnenstange ist noch keineswegs in Sicht. Es bleibt zu hoffen, dass sich der kommende Globalhaushalt an den Universitäten für die Bibliotheken vorteilhaft auswirkt.

Die maßgeblich von Mitgliedern unseres Landesverbandes angestoßene Diskussion um die Zukunft des Fachreferats hat ein nachhaltiges bundesweites Echo gefunden. Das ist gut so, denn ohne eine solche kontrovers geführte Debatte gäbe es keinen Fortschritt bei der Definition eines zukunftsgerichteten Berufsbildes für den höheren Dienst. Der Meinungsbildungsprozess dazu ist noch nicht abgeschlossen und scheint sich nunmehr stärker auf die konkreten Aufgabenfelder des Fachreferats zu konzentrieren. Ein gesonderter Themenkreis "Fachreferat und Wissenschaft" wird sich auf dem kommenden Bibliothekartag in Freiburg damit befassen.

Kommt es zu einem Regionalverband Südwest?

Dieser Tage erreichte den Vorstand ein förmlicher Antrag der VDB-Mitglieder aus Rheinland-Pfalz, vertreten durch die Kollegin Frau Dr. Hildegard Müller (Trier), mit der Bitte um Aufnahme in den Landesverband Baden-Württemberg, da man wegen der relativ geringen Mitgliederzahl (ca. 60) keine Möglichkeit für die Gründung eines eigenes Verbandes sieht.

Da es eine lange Tradition der bibliothekarischen Zusammenarbeit zwischen den südwestdeutschen Ländern gibt, erscheint ein Zusammengehen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im Rahmen eines vergleichsweise mitgliederstarken Regionalverbandes Südwest durchaus einleuchtend. Deshalb hat der Vorstand in einer ersten Stellungnahme den Antrag begrüßt.

Bis zur nächsten Mitgliederversammlung unseres Landesverbandes wird nun zu klären sein, welche satzungsmäßigen Fragen und Konsequenzen sich daraus ergeben und wie der Beitritt der Kolleginnen und Kollegen aus Rheinland-Pfalz mögichst rasch realisiert werden kann. Der Vorstand ist bemüht, bis zur Jahresversammlung im Frühjahr 1999 die Voraussetzungen für eine Beschlussfassung durch die Mitglieder zu schaffen.

Fortbildungsveranstaltung in Ludwigsburg

Am 19. November trafen sich 14 Kolleginnen und Kollegen (der Wintereinbruch hatte zu einigen kurzfristigen Absagen geführt) im winterlichen Ludwigsburg zu einer Fortbildungsveranstaltung mit Besichtigung von drei wichtigen Einichtungen, die mit ihrer jeweiligen Aufgabenstellung enge Bezüge - wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise - zu den wissenschaftlichen Bibliotheken aufweisen.

Den Auftakt bildete der Besuch bei der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Verfolgung von NS-Verbrechen. Der Leiter Herr Oberstaatsanwalt Dreßen informierte im Rahmen eines Vortrages über die Aufgaben und die Tätigkeit dieser vor genau 40 Jahren auf Veranlassung der Länderjustizminister gegründeten und weltweit immer noch größten NS-Fahndungsstelle.

Teilnehmer der Fortbildungsveranstaltung

Wer waren damals die Hauptschuldigen? Was hat sich im Einzelnen abgespielt? Diese Fragen sind maßgeblich bei der Ermittlungstätigkeit der Ludwigsburger Behörde. Im Vordergrund der Untersuchungen steht die Ermordung der europäischen Juden durch Gaswagen, in den Konzentrationslagern oder in den Vernichtungslagern, sowie die Euthanasieverbrechen während des Dritten Reichs. Die kurzen, prägnanten Auszüge, die Herr Dreßen aus einigen Originaldokumenten vortrug, machten auf erschütternde Weise die Notwendigkeit einer solchen Fahndungsstelle deutlich.

Noch 44 offene Ermittlungsverfahren sind gegenwärtig anhängig, jedoch nimmt die Zahl der Verfahren aus biologischen Gründen immer weiter ab. Insofern entwickelt sich die Zentrale Stelle zunehmend zu einem Dokumentations- und Forschungszentrum, das für die Erforschung der Verbrechen in der NS-Zeit von unschätzbarem Wert ist. Wie Herr Dreßen ausführte, gehen die Bestrebungen der Länderjustizminister dahin, die Stelle in diesem Sinne langfristig zu erhalten und personell (auch mit Geschichtswissenschaftlern) auszustatten. Die Zeithistoriker nehmen bereits seit geraumer Zeit die Stelle stark in Anspruch. Leider sind die für die Recherchen wesentlichen Karteien (Namens-, Orts-, Einheitenkartei) noch nicht elektronisch erfasst, wie es überhaupt der Ludwigsburger Einrichtung an Möglichkeiten der EDV fehlt.

Der nächste Besuch galt dem Deutsch-Französischen Institut Lugwigsburg, das jetzt genau 50 Jahr besteht und sich insbesondere der Dokumentation, der Information und der Forschung der deutsch-französischen Beziehungen unter sozialwissenschaftlichem Blickwinkel verschrieben hat. Der Leiter Herr Uterwedde umriss vor diesem Hintergrund die weitreichende Ausstrahlung des Instituts mit seinen vielfältigen Aktivitäten, vor allem aber auch mit seinen Beständen an spezieller Literatur und Information zur Frankreichforschung. Folgerichtig bemüht sich das Institut um die aktive Teilnahme am Südwestdeutschen Bibliotheksverbund und am Leihverkehr, nachdem man bereits seit Jahren im Fachinformationsverbund Internationale Politik und Länderkunde, der die (auch auf CD-ROM verfügbare) Datenbank WAO (World Affairs Online) aufgelegt hat, mitwirkt.

Der Leiter der Bibliothek Herr Menyesch lud die Gruppe dann zu einem kundigen Rundgang durch die Räume und vermittelte anschauliche Einblicke in die eindrucksvollen Spezialsammlungen sowie die Dokumentationstätigkeit. Verfügbar sind ca. 30.000 Bände und etwa 300 Periodika, außerdem eine umfangreiche Pressedokumentation mit über 400.000 Presse-Ausschnitten. Wie Herr Menyesch erläuterte, werden auf Anfrage gezielt Zusammenstellungen von Material und Literaturhinweisen geliefert.

Vorführung im Institut für Erhaltung von Archiv- u. Bibliotheksgut

Nach dem gemeinsamen Mittagessen ging es dann in das Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut, das der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg zugeordnet ist und mit seinen Dienstleistungen den beiden Landesbibliotheken, den sechs staatlichen Archiven sowie den neun Archiven und Bibliotheken der Universitäten im Rahmen des Landesrestaurierungsprogramms zur Verfügung steht.

Der Leiter der Einrichtung Herr Kuhn hatte mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (insgesamt sind es 26) einen ausgezeichneten "Rundkurs" durch das Gebäude und seine Abteilungen - die Papier-, die Pergament- bzw. die Einbandrestaurierung und die Mikroverfilmung - organisiert. Dadurch war es möglich, den Fachkräften bei ihrer Arbeit sozusagen über die Schulter zu schauen und so einen unmittelbaren Einblick in die verschiedenen Restaurierungsformen zu erhalten. So konnten bislang wenig bekannte Dinge wie Papieranfaserung, Papierspaltung, maschinelle Nassbehandlung, Pergamentanfaserung oder Sicherheits-/Schutzverfilmung mit modernster Technik und zugleich höchstem handwerklichen Geschick erlebt werden.

Die Führung durch das Restaurierungsinstitut bildete somit den Höhepunkt wie Abschluss eines intensiven und lehrreichen Fortbildungstages. Der "Blick über den Tellerrand" dürfte sich auch bezüglich dieser Veranstaltung als sehr förderlich für die tägliche Arbeit erweisen.

Mitteilungen aus dem Vereinsausschuss

Der Vereinsausschuss tagte am 22. Oktober in der UB Freiburg und widmete sich u.a. auch dem Bibliothekartag 1999, der unter dem Motto "Grenzenlos in die Zukunft" nach Pfingsten viele Kolleg(inn)en in die Breisgaumetropole locken dürfte. Die Vorbereitungen dazu sind weit gediehen, nachdem die Programmkommission sich auf insgesamt 17 Themenkreise für das Hauptprogramm festgelegt hat. Zwar nimmt der Komplex Multimedia/Elektronik breiten Raum ein, jedoch kommen auch Bereiche wie das Alte Buch, die Bestandserhaltung, die Bibliotheksorganisation oder die Erwerbung nicht zu kurz. Die Wahl des Tagungsortes impliziert zudem eine deutliche Konzentration auf grenzüberschreitende bibliothekarische Aktivitäten bzw. auf neue Entwicklungen des Bibliothekswesens in unseren Nachbarländern Frankreich, Österreich und Schweiz.

Nachdem die WWW-Seiten des VDB nicht mehr beim DBI bleiben konnten, ist nun eine Zwischenlösung gefunden, da die Fernuniversität Hagen ihren Server dazu bereitgestellt hat.

Angestrebt wird aber eine Dauerlösung auf einem Verbundserver. Die Chancen dafür sind nicht schlecht.

Die VDB-Diskussionsliste (VDB-LIST@unibw-hamburg.de) wurde bislang leider nicht in dem gewünschten Umfang als Forum für berufspolitische oder vereinsspezifische Themen genutzt. Es soll versucht werden, die Liste durch verschiedene Initialzündungen neu zu beleben.

Der Bibliothekskongress 2000 wird in Leipzig stattfinden, während die für 1999 in Dortmund geplante Bibliotheca bereits abgesagt worden ist. Für die nach Leipzig 2000 folgenden Jahre ist geplant, die Bibliotheca abwechselnd in Dortmund und Leipzig zu veranstalten.

Im Hinblick auf das hundertjährige Vereinsjubiläum im Jahr 2000 wurde eine AG VDB 2000, die die Jubiläumsfeierlichkeiten vorbereiten soll. Erscheinen wird anlässlich des Jubiläums eine große Festschrift.

Ausblick auf das Neue Jahr

Die Jahresversammlung unseres Landesverbandes wird am 23. April 1999 auf freundliche Einladung der Universitätsbibliothek Stuttgart in der Landeshauptstadt veranstaltet.

Einen weiteren Höhepunkt wird sodann der 89. Deutsche Bibliothekartag vom 25.5.-29.5.99 in Freiburg bilden, der für alle Landesverbandsmitglieder in guter Erreichbarkeit liegt und deshalb starke Anziehungskraft ausüben sollte.

An den baden-württembergischen Bibliothekstagen in Mannheim vom 22.11.-25.11.99 wird sich erstmals auch unser Landesverband beteiligen, und zwar im Rahmen einer gemeinsam mit den Landesverbänden von VdDB und VBA durchgeführten Fortbildungs- und Informationsveranstaltung. Nähere Einzelheiten dazu werden vom Vorstand auf der nächsten Jahresversammlung in Stuttgart mitgeteilt.

So bleibt zum Abschluss noch, allen Mitgliedern unseres Landesverbandes - den aktiv im Beruf stehenden Kolleginnen und den Kollegen wie besonders auch unseren Ruheständlern - ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr zu wünschen.