VDB - Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare

Mitteilungsblatt Nr. 12 (1999)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Jahrhundert/Jahrtausend klingt aus - "Gott sei Dank" werden einige angesichts des Millenniumsrummels ausrufen -, aber glücklicherweise geht das Leben, auch das unseres Vereins, ohne dramatische Zäsur weiter. Im zurückliegenden Jahr hat sich der frühere Landesverband Baden-Württemberg gemeinsam mit Rheinland-Pfalz und dem Saarland auf Wunsch dortiger Mitglieder zu einem neuen, mitgliederstarken Regionalverband Südwest zusammengeschlossen. Wenn es gelingt, ihn mit Aktivität und Leben zu erfüllen, könnte er wichtige Funktionen in der wieder enger zusammenrückenden Bibliothekslandschaft des Südwestens ausfüllen.

Fast alle wesentlichen Arbeits- und Dienstleistungsbereiche - Verbundkatalogisierung, kooperative Sacherschließung, Fernleihe / Dokumentlieferung bis hin zur Beschaffung (Stichwort: Konsortien) und Bereitstellung von elektronischen Datensammlungen (Stichwort: ReDI) - werden in Zukunft noch ausgeprägter im Rahmen regionaler Kooperation geplant und realisiert.

Dem höheren Dienst kommt in diesem Zusammenhang auf verschiedenen Ebenen eine wichtige Rolle zu, sowohl auf der Leitungsebene der Bibliotheken als auch auf den Ebenen des am Bedarf orientierten Medienausbaus, der Sacherschließung, des Informationsmanagements, sodann aber weiterhin auf der Ebene der Bestandserhaltung unserer wertvollen Altbestände, auch mithilfe moderner Digitalisierungsverfahren. Die Nähe zu den Erfordernissen von Forschung und Lehre spielt dabei in den Hochschulbibliotheken eine wesentliche Rolle - unser Status als Angehörige des wissenschaftlichen Dienstes sollte deshalb nicht angetastet, eine schleichende Aushöhlung der Laufbahn nicht hingenommen werden!

Indes bedingt dies eine ständige Weiterqualifizierung und vermehrtes Engagement in die Fakultäten, Seminare und Institute hinein. Die Vorteile des höheren Dienstes liegen u.a. im Knowhow der Informationsvermittlung, in der breiten Kenntnis der relevanten Medien und sonstigen Informationsressourcen sowie in der Kontinuität des Tuns. Diese Pluspunkte müssen allerdings deutlich zur Geltung gebracht werden, d.h. ohne den sinnvollen Einsatz von geeigneten Marketing- bzw. Kommunikationsinstrumenten werden wir mit unseren Leistungen nicht ausreichend wahrgenommen.

Der Vorstand wird seine Bemühungen auf den Gebieten der Sacharbeit und der Fortbildung auch im kommenden Jahr fortsetzen. Für weiterführende Anregungen aus dem Mitgliederkreis sind wir jederzeit dankbar. Setzen Sie sich vor Ort ruhig öfter gemeinsam an einen Tisch (Sie dürfen das "Stammtisch" oder anders nennen) und reden miteinander - auf den kollegialen Zusammenhalt kommt es letztlich mit an.

In diesem Sinn grüße ich Sie alle herzlichst und wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2000!

Ihr Wilfried Sühl-Strohmenger

Gemeinsame Fortbildungstagung der Personalverbände in Mannheim

Erstmals hatten sich alle drei Personalverbände auf Landesebene zusammengefunden, um im Rahmen der diesjährigen Bibliothekstage Baden-Württemberg in Mannheim eine gemeinsame Fortbildungsveranstaltung zu organisieren.

Das Vorbereitungsteam, das sich seitens des VdDB aus Frau Höser (WLB Stuttgart), seitens des VBA aus Herrn Seeger (ekz Reutlingen) und seitens des VDB aus Herrn Sühl-Strohmenger (UB Freiburg) zusammensetzte, war an den diversen Vorbereitungstreffen der Bibliothekstage beteiligt und arbeitete ausgesprochen effektiv und harmonisch zusammen.

Das Thema der Fortbildungstagung, die am 25. November in der Universitätsbibliothek Mannheim mit knapp 60 Teilnehmer(inne)n vonstatten ging, lautete: "Marketing von bibliothekarischen Produkten und Dienstleistungen im Internet".

Fortbildungstagung in Mannheim

Nach der freundlichen Begrüßung durch den Leitenden Bibliotheksdirektor der UB Mannheim Christian Benz, der mit seinem Vorbereitungsteam für hervorragende äußere Bedingungen der Veranstaltung gesorgt hatte, bestritt Professor Dr. Wolfgang G. Stock von der Fachhochschule Köln den Vormittag mit grundlegenden, sehr anschaulich vorgetragenen Ausführungen zum Thema "Marketing von Bibliotheken - vom Marketingkonzept bis zur Multimedia-Kommunikation im World Wide Web".

Anhand gut ausgewählter Beispiele verdeutlichte Stock die Prinzipien und Merkmale gelungener Webauftritte von Bibliotheken im Internet. Am Nachmittag präsentierten Wilfried Sühl-Strohmenger, Wolfgang Schibel und Johannes Auer Fallbeispiele des Bibliotheksmarketing (UBB Freiburg und Mannheim, StB Stuttgart), die vielfältigen Anlass zu einer lebhaften, von Christian Benz kundig moderierten Diskussion gaben.

Status des höheren Dienstes in Baden-Württemberg

Nachdem aus dem Ministerium Verlautbarungen nach außen gedrungen waren, dass beabsichtigt sei, den höheren Dienst an den Hochschulbibliotheken des Landes Baden-Württemberg in Kürze der Gruppe der sonstigen Mitarbeiter (Technischer oder Verwaltungsdienst) zuzuschlagen, startete der Vorstand eine Unterschriftenaktion gegen diese Pläne. Über 100 Kolleg(inn)en schlossen sich der Aktion an. In dem Schreiben an das Ministerium werden die zentralen Argumente - fachwissenschaftlich fundierte Erwerbung, sachliche Erschließung und Vermittlung wissenschaftlicher Literatur und Fachinformation durch die Fachreferenten, auch im Rahmen von Proseminaren und Recherchekursen - für die Zugehörigkeit zur Gruppe des wissenschaftlichen Dienstes dargelegt. Dass der höhere Dienst auch Verwaltungstätigkeiten ausführt, spricht keinesfalls gegen die bisherige Gruppenzugehörigkeit, da auch die Professoren und die Akademischen Räte/Direktoren neben ihren Forschungs- und Lehraufgaben Verwaltungsfunktionen ausfüllen.

Wenn sich die Gruppenzugehörigkeit in der angesprochenen Weise ändern würde, hätte dies negative Auswirkungen vor allem bei Stellenbesetzungen (Einschaltung des Personalrats zwingend) und bei der Beurteilung (Regelbeurteilung). Zu befürchten ist darüber hinaus, dass die Voraussetzung eines abgeschlossenen Hochschulstudiums, möglichst mit Promotion, für die Übernahme in die Laufbahn des höheren Bibliotheksdienstes aufgegeben werden könnte. Dies hätte unweigerlich einen Qualitätsverlust der Dienstleistungen in den wissenschaftlichen Bibliotheken zur Folge.

Email-Rundbrief

Ein erfreuliches Echo hat die Einrichtung eines Email-Rundbriefs gefunden, der seine Bewährungsprobe im Zusammenhang mit der o.a. Aktion in Sachen "Status des höheren Dienstes" zu bestehen hatte. Auf diesem Wege konnte die Information rasch weitergegeben und der an das Ministerium gerichtete Brief per Attachment allen, die den Rundbrief beziehen, auf unkomplizierte Weise zur Kenntnis gegeben werden. Wer sich bislang noch nicht dafür gemeldet hat, ist herzlich eingeladen, dies nachzuholen.

Selbstverständlich wird der Vorstand den Mitgliedern weiterhin die Informationen wie bisher in schriftlicher Form zukommen lassen, da nicht alle über eine Email-Adresse verfügen.

Aus dem VDB-Vereinsausschuss

Der Vereinsausschuss des VDB hat im Jahr 1999 in Münster, in Freiburg und in Trier getagt. Aus unserem Regionalverband waren Berndt v. Egidy, Helmut Oehling, Wilfried Sühl-Strohmenger und Ludger Syré als Mitglieder in dem Gremium vertreten.

Nach dem Votum der Mitgliederversammlung in Sachen Fusion der Personalverbände, die mehrheitlich zugunsten des Kooperationsmodells abgelehnt wurde, befasste sich der Vereinsausschuss auch mit der Frage, wie die bislang gemeinsam mit dem VdDB durchgeführten Aktivitäten in Zukunft gestaltet werden sollen, wenn dieser mit dem VBA einen neuen Verband gründen sollte. In der gemeinsamen Sitzung der beiden Vereinsausschüsse in Freiburg wurde dahingehend Einigkeit erzielt, dass der Bibliothekartag auch in Zukunft von beiden Verbänden - dem VDB sowie dem neuen Verband - gemeinsam veranstaltet werden sollte, und zwar weiterhin in der Weise, dass zwei Bibliothekartage jeweils auf den Bibliothekskongress (alle 3 Jahre, veranstaltet von der BDB und möglichen Partnern) folgen. Wie es mit dem "Rundschreiben" weitergeht, muss noch offen bleiben.

Die im Zusammenhang mit der Auflösung des Deutschen Bibliotheksinstituts entstandenen Schwierigkeiten - nicht nur für die Weiterführung der wichtigen zentralen Dienstleistungen (ZDB usw.), sondern auch für die Bibliothekarische Auslandsstelle, für den Bibliotheksdienst und für die Sach- und Fortbildungsarbeit der DBI-Kommissionen - sind mehrfach im Vereinsausschuss zur Sprache gekommen.

Auf den VDB kommen unter Umständen deshalb neue (alte) Aufgaben zu. Auch sei noch einmal klar gesagt, dass seitens des Vorstandes von Anfang an, als die Pläne zur Streichung des BDI von der Blauen Liste bekannt geworden waren, gemeinsam mit der BDB und den anderen Verbänden gegen diese Absicht mit allen Mitteln protestiert und um den Weiterbestand des DBI gekämpft worden ist. Die teilweise aufgestellte Behauptung dass die Bibliothekare der Auflösung des DBI tatenlos zugesehen hätten, entbehrt deshalb jeder Grundlage.

Im kommenden Jahr feiert der VDB sein 100-jähriges Jubiläum. Im Rahmen des Leipziger Bibliothekskongresses sind zu diesem Anlass besondere Aktivitäten und auch die Präsentation einer Festschrift (Verlag Harrassowitz) geplant, die an die Mitglieder kostenlos verteilt wird. Ferner wird eine Bibliographie zur Vereinsgeschichte publiziert, die ebenfalls in Leipzig vorgestellt werden soll. Die Festveranstaltung wird am 21. März 2000 stattfinden. Als Festredner konnte der renommierte Konstanzer Philosoph Prof. Dr. Jürgen Mittelstraß gewonnen werden.

Im Übrigen sei auf die VDB-Homepage (www.vdb-online.org) hingewiesen. Dort finden Sie sowohl einen ausführlichen Bericht über die Tierer Vereinsausschusssitzung als auch sonstige Neuigkeiten und Informationen über unseren Verein.

Aktivitäten im Jahr 2000

Fortbildung zur kooperativen Sacherschließung im Februar 2000

Am 23. Februar 2000 ist in der Württembergischen Landesbibliothek eine Fortbildung zum Thema "Neuere Entwicklungen der kooperativen Sacherschließung in Deutschland und in der Region Südwest" vorgesehen. Das Programm umfasst Vorträge zu überregionalen Tendenzen (Übernahmemöglichkeiten internationaler Klassifikationssysteme bzw. von Neuentwicklungen wie OSIRIS) wie zu regionalen Fragen der kooperativen Sacherschließung, auch mit Blick auf die Einführung des neuen Verbundsystems Horizon.

Alle Interessierten, insbesondere die Fachreferent(inn)en, sind herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Jahresversammlung 2000 in Mainz

Die nächste Jahresversammlung unseres Regionalverbandes findet am 5. Mai 2000 in der Universitätsbibliothek Mainz statt. Der relativ späte Termin erklärt sich daraus, dass der Bibliothekskongress 2000 in Leipzig bereits im März stattfindet und nicht, wie früher üblich, in der Woche nach Pfingsten.

Neben der Mitgliederversammlung wird wiederum ein attraktives Fortbildungsprogramm geboten. Die UB Mainz nutzt gern die Gelegenheit, sich den hoffentlich zahlreichen Teilnehmer(inn)en dieser ersten Jahresversammlung des neuen Regionalverbandes mit ihrem Gebäude und ihren Dienstleistungen zu präsentieren. Programm und Einladung zur Jahresversammlung 2000 werden rechtzeitig vom Vorstand zugeschickt.

Herbstliche Bibliotheksreise nach Paris

Ins Auge gefasst ist eine drei- bis viertägige Busreise nach Paris mit Bibliotheksbesichtigungen, u.a. der neuen Bibliothèque Nationale. Anbieten würde sich als Termin entweder Anfang Oktober (Tag der deutschen Einheit fällt auf einen Dienstag) oder Ende Oktober/Anfang November (Allerheiligen fällt auf einen Mittwoch), weil die betreffenden Feiertage miteinbezogen werden könnten. Der Bus könnte über Karlsruhe / Heidelberg / Mannheim / Saarbrücken fahren. Über Tips, Anregungen und Meinungen zu diesem Reiseprojekt ist der Vorstand dankbar.