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NACHRUF Klaus G. Saur

Am 4. August ist der Verleger Klaus G. Saur, Ehrenmitglied des VDB – Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare, kurz nach seinem 85. Geburtstag gestorben.

Über viele Jahrzehnte war er eng mit dem deutschen und internationalen Bibliothekswesen verbunden. Mit 22 Jahren übernahm er den von seinem Vater gegründeten „Verlag Dokumentation und Technik“, damals ein kaum profitables Ein-Mann-Unternehmen, und baute ihn zum führenden Verlag für Nachschlagewerke und Bibliographien aus. Mit markanter Persönlichkeit erschloss er alle Nischen des Marktes – auch in den weitgehend abgeschotteten Ostblock-Staaten – und kannte praktisch jede Bibliotheksdirektorin und jeden Bibliotheksdirektor, die er oft kurz vor Kassenschluss mit einem kaum ablehnbaren Angebot aufsuchte.

Produkte wie GValt und GVneu, das Deutsche Bibliographische Archiv oder die Deutsche Bibliographische Enzyklopädie prägten die bibliothekarische Arbeit über Jahrzehnte und erleichterten sie erheblich – zuvor mussten bibliographische Angaben mühsam aus zahlreichen Einzelbibliographien zusammengesucht werden. Hinzu kamen Lehrbuchklassiker wie Rupert Hackers „Bibliothekarisches Grundwissen“ und die „Katalogisierung nach den RAK-WB“ von Klaus Haller und Hans Popst sowie international die Publikationsreihen der IFLA.

Besondere Anerkennung erwarb sich Saur mit dem „Biographischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration“, der ersten umfassenden biographischen Enzyklopädie der vom nationalsozialistischen Deutschland Vertriebenen; weitere biographische Verzeichnisse und Quelleneditionen wie die „Akten der Parteikanzlei der NSDAP“ und „Widerstand als Hochverrat“ folgten. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus war auch Teil seiner Familiengeschichte – sein Vater Karl-Otto Saur war als Stellvertreter Albert Speers ein ranghoher Nationalsozialist. Das Gedenken an Opfer, Emigration und Widerstand wurde zum Kern seines verlegerischen Ethos, das sich ebenso im von ihm mitinitiierten Geschwister-Scholl-Preis ausdrückte.

Der K. G. Saur Verlag trug seinen Namen nicht nur als Firmenbezeichnung: Saur blieb Motor und Zentrum des Hauses, auch nach dem Verkauf an die Reed-International-Verlagsgruppe. 2005 wurde er geschäftsführender Gesellschafter bei Walter de Gruyter und legte die Grundlage dafür, dass der damals angesehene, aber kleine Familienverlag zu einem der Big Player der internationalen Verlagslandschaft wuchs – einer der ersten Zukäufe war sein früherer eigener Verlag.

Neben seinem Geschäftssinn war Saur für seine Großzügigkeit bekannt, mit der er über Jahre die Empfänge der Deutschen Bibliothekartage und der IFLA förderte. Eröffnet wurden sie stets mit einer fulminanten freien Rede, in der er Namen, Daten und Fakten fehlerfrei aus dem Gedächtnis wiedergab. Eine Ironie der Geschichte: 1964 hatte sich Saur – ohne Abitur und Studium – an der bayerischen Bibliotheksschule beworben und war abgelehnt worden.

Saur war Ehrenmitglied der IFLA und des Börsenvereins, Honorarprofessor am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität sowie Ehrendoktor und Ehrensenator mehrerer Universitäten. Der VDB trauert um sein langjähriges Ehrenmitglied.

Dr. Klaus-Rainer Brintzinger für den VDB Vorstand