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NACHRUF Prof. Gerhard Hacker

Zum Tod von Prof. Dr. Gerhard Hacker (1963–2026)

Der Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare trauert um Prof. Dr. phil. Gerhard Hacker, der am 6. August 2026 im Alter von 63 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben ist.

Gerhard Hacker, 1963 in Karlsruhe geboren, studierte Slavistik, Hispanistik und Bibliothekswissenschaft an der Universität zu Köln und promovierte dort. Nach einer Lehrtätigkeit an der Fachhochschule für Bibliotheks- und Dokumentationswesen in Köln und Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin (1995–2000) leitete er 2000/2001 die Zweigbibliothek Fremdsprachliche Philologien der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität. 2001 wurde er zum Professor für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig berufen.

Dort wurde er zu einem der prägenden Gesichter der Leipziger Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Er entwickelte den Studiengang inhaltlich weiter, war maßgeblich an der Einrichtung des Masterstudiengangs beteiligt und lehrte unter anderem zu Typologie und Strukturen des deutschen Bibliotheks- und Informationswesens, zu Bestandsentwicklung und Erwerbungsmanagement, zu Aufgaben und Organisationsformen von Informationseinrichtungen sowie zu historischen Beständen. Über viele Jahre übernahm er akademische Verantwortung: 2006–2009, 2016–2020 und erneut ab 2023 als Studiendekan, 2009–2011 als Prodekan der damaligen Fakultät Medien und 2011–2014 als Prorektor für Bildung der HTWK Leipzig. Auch seine wissenschaftliche Arbeit zur Bibliotheksgeschichte und zur russischen Literatur setzte er fort; als Übersetzer machte er unter anderem Werke von Lew Natanowitsch Lunz im deutschsprachigen Raum zugänglich.

Wer Gerhard Hacker begegnete, erinnert sich an einen Hochschullehrer, der ohne Skript aus einem großen Wissensfundus schöpfte, der Diskussion suchte, klar Position bezog und Berufsethik von der ersten Vorlesung an zum Thema machte – und an einen Menschen von Ruhe, Humor, Geduld und großer Verbundenheit zum Bibliothekswesen. Für die Ausbildung des bibliothekarischen Nachwuchses in Deutschland hat er damit Bleibendes geleistet.

Der VDB verliert mit Gerhard Hacker einen engagierten Vertreter der bibliothekarischen Ausbildung, dessen Wirken in den vielen Kolleginnen und Kollegen fortlebt, die bei ihm gelernt haben. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Kolleginnen und Kollegen an der HTWK Leipzig und seinen Studierenden.

Für den Vorstand des Vereins Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare e. V. Anke Berghaus-Sprengel