Bei der 114. BiblioCon 2026 in Berlin hat der VDB – Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare auf seiner Mitgliederversammlung die Datensouveränität von Bibliotheken als wichtiges interdisziplinäres Querschnittsthema thematisiert. Die Herausgebenden von o-bib rufen deshalb zur Einreichung einschlägiger Beiträge für einen Themenschwerpunkt zu „Datensouveränität in Bibliotheken“ auf, der in der o-bib-Ausgabe 2/2027 veröffentlicht werden soll.
Im Kontext von Bibliotheken lässt sich Datensouveränität definieren als die rechtlich gesicherte und – virtuell oder physisch – umsetzbare Kontrolle über die im Bibliothekskontext gespeicherten, verwalteten und bereitgestellten Daten, deren Verwendung, Verarbeitung und Verbreitung sowie die Qualität dieser Daten.1
Dabei sind verschiedenste Datentypen angesprochen, insbesondere
- bibliografische Daten
- Erwerbungs- und Bestandsdaten
- lizenzierte Publikationen
- Nutzungsdaten
- sonstige Metadaten zu Publikationen und Forschungsinformationen
- Forschungsdaten
Entsprechend finden sich relevante Vorgänge und Problemlagen in vielen bibliothekarischen Tätigkeiten. Beispielhaft seien genannt:
- Archivrechte für lizenzierte E-Ressourcen
- Umgang mit Interessen privatwirtschaftlicher Akteure an Tracking und Profiling von Bibliotheksnutzer*innen bei der Verwendung ihrer Dienste
- Herstellen von Transparenz über die Herkunft und Qualität von Daten (z. B. maschinelle Erschließung, mit Hilfe von generativer KI erstellte Publikationen)
- Urheber- und Nutzungsrechte bei Forschungsdaten
- Nutzung von Open-Access-Inhalten für das Training von KI-Modellen
In einem sich rasch wandelnden technologischen Umfeld mit zahlreichen Playern, die vielfach eigene Interessen verfolgen, stellen diese und ähnliche Themen Bibliotheken vor gewaltige Herausforderungen. Welche technischen, organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sind nötig, um einen möglichst hohen Grad an Datensouveränität zu erreichen? Wie kann man externe Abhängigkeiten reduzieren und eine möglichst resiliente Infrastruktur aufbauen? Wie ist überhaupt die nötige Awareness für entsprechende Problematiken zu erreichen und welche Kompetenzen sollten Bibliothekar*innen heute haben, um im Bemühen um Datensouveränität zu bestehen?
In den Beiträgen zum Themenschwerpunkt können ganz unterschiedliche Aspekte bearbeitet werden (z. B. Analysen von Problemlagen, strategische Überlegungen, beispielhafte Umsetzungen in der Praxis). Entsprechend sind unterschiedliche Formate denkbar. Neben Fachaufsätzen und Praxisberichten können beispielsweise auch Meinungsbeiträge oder Interviews eingereicht werden. Je nach Charakter werden die Beiträge einer der üblichen Rubriken zugeordnet, insbesondere den Rubriken „Themenschwerpunkt“ (für Fachaufsätze), „Praxisberichte“ und „Ansichten – Einsichten – Diskussion“.
Die Einreichung von Manuskripten ist bis Ende November 2026 erwünscht. Wie alle Beiträge in o-bib unterliegen die Einreichungen für den Themenschwerpunkt den unter https://www.o-bib.de/bib/information/authors formulierten Kriterien und Regelungen für eine Veröffentlichung.
Für eventuelle Rückfragen stehen die geschäftsführenden Herausgebenden von o-bib, Heidrun Wiesenmüller (wiesenmueller@hdm-stuttgart.de) und Achim Oßwald (achim.osswald@th-koeln.de), gerne zur Verfügung.
3. August 2026
- Vgl. dazu Christine Wilhelm; Julian Schenke: Datensouveränität in Bibliotheken. Schlaglichter der VDB-Kommission für Fachreferatsarbeit auf ein Querschnittsthema, in: o-bib 13 (3), 2026, https://doi.org/10.5282/o-bib/6292 (erscheint Mitte August 2026). ↩︎
