Der Verein deutscher Bibliothekarinnen und Bibliotheken nimmt mit Sorge zur Kenntnis, dass der Sektor Kultur und Medien zwar unverändert als Sektor der kritischen Infrastruktur anerkannt wird, jedoch nicht Gegenstand des vom Deutschen Bundestag am 29. Januar 2026 angenommenen Entwurfs des KRITIS-Dachgesetzes ist.
Die Verankerung der bibliothekarischen Versorgung als Bestandteil der kritischen Infrastruktur erachtet der VDB als dringend zu realisierendes Desiderat.
Es greift dabei zu kurz, Bibliotheken auf eine identitätsstiftende Funktion von Kultur und/oder einen Ort an dem Meinungsbildung durch Zugang zu freier Presse erfolgen kann zu reduzieren.
Die mögliche Vernichtung von Kulturdenkmalen und Kulturgütern trifft Gesellschaften in ihrem Kern, reduziert Stabilität und fördert Fragilität, weil grundlegende, identitäts- wie konsensstiftende Bezugspunkte wegfallen. Dass dies keine Leerformel ist, zeigt der Ukrainekrieg und die zahlreichen zerstörten oder beschädigten Kulturstätten.
Möglichkeiten des Zugangs zu unzensierten Informationen kennzeichnen moderne Demokratien und sind Grundlage des politischen Handelns.
Bibliotheken bieten darüber hinaus Zugang zu wissenschaftlicher Information und ermöglichen damit die Aneignung aktuellen Wissens und aktueller Forschungsstände. Dies ist notwendig, um in Krisensituationen fundierte Lösungen finden, erarbeiten und weiter entwickeln zu können. Datenbanken, Journals und Medien aller Art werden auch und gerade in Krisenfällen gebraucht, um Lösungsstrategien für diverse Problemlagen und Sachverhalte erarbeiten zu können, um kooperative Entwicklung von Maßnahmen valide anzustoßen und um gute Lösungsansätze in machbare Strategien zu übersetzen.
Die Gesamtversorgung mit Zugang zu unabhängigen Wissensquellen wird durch das in Deutschland bestehende flächendeckende Netz an in Verbünden organisierten, kooperativ agierenden ca. 7.000 Bibliotheken an rund 8.800 Standorten gewährleistet. Diese sind damit unbedingt als Bestandteil der kritischen Infrastruktur der Bundesrepublik Deutschland anzuerkennen.
In ihren Räumlichkeiten und den dazugehörigen Rechenzentren speichern die deutschen Bibliotheken ca. 370 Millionen Medieneinheiten, stellen sie zur Nutzung zur Verfügung und sichern ihre Benutzbarkeit in analoger wie digitaler Form heute und in Zukunft.
Hier betreiben die Bibliotheken, zusammen mit Archiven, Museen und anderen Kultureinrichtungen Notfallverbünde und haben somit Erfahrung mit der Erstellung von Risikobewertungen, Vorsorgeplänen und Schutzkonzepten. Eine Stärkung dieser Einrichtungen ist eine Möglichkeit, die Resilienz und Transparenz auszubauen.
02. Februar 2026
